Spencer’s Law – und was es uns über die Aufgeregtheiten der Gesellschaft verrät
Der englische Philosoph und Soziologe Herbert Spencer (1820-1903) war einer der einflussreichsten Denker seiner Zeit. Unter anderem hat er Darwins Evolutionstheorie auf die menschliche Gesellschaft angewandt und damit in gewisser Weise auch die nationalsozialistische Rassentheorie inspiriert. Darum soll es hier aber nicht gehen. Als Soziologe hat er die folgende nach ihm benannte Erkenntnis formuliert:
Spencer’s Law: The degree of public concern and anxiety about a social problem or phenomenon varies inversely as to its real or actual incidence.
Auf Deutsch heißt das etwa: Das Ausmaß der öffentlichen Aufmerksamkeit und Besorgnis hinsichtlich eines gesellschaftlichen Problems verhält sich invers zu seiner tatsächlichen oder aktuellen Dringlichkeit.
Die resultierende Gesetzmäßigkeit ist das Ergebnis der folgenden Beobachtung:
Wenn ein gesellschaftliches Problem wirklich weitverbreitet und schwerwiegend ist, wird es kaum registriert und selten diskutiert. Es wird einfach so hingenommen, wie es nun einmal ist. Gegenstand der Aufmerksamkeit wird es erst dann, wenn sich die Problematik entschärft und die Gesellschaft weniger belastet. In aller Kürze: Je kleiner ein Problem wird, desto mehr wird darüber geschrieben und berichtet und als desto schlimmer wird es dargestellt.
Man kennt das Phänomen aus der Medienberichterstattung. Die Medien thematisieren ja kaum das alltägliche Leben in seiner Banalität. Das Gewöhnliche ist ja auch keine Nachricht, es hebt sich zu wenig vom Einerlei des Daseins ab. Interesse weckt eher der Unterschied, der positive wie der negative. Deswegen spielen Sportereignisse oder die Eskapaden von Prominenten eine herausragende Rolle.
Ansonsten gilt indessen nach aller Erfahrung, „nur eine schlechte Nachricht ist eine gute Nachricht“ (also verkauft sich gut). Daraus ist der überaus erfolgreiche „Katastrophen-Journalismus“ erwachsen. Und wenn es gerade keine wirklichen Katastrophen und drängenden Probleme gibt, Erdbeben, Überschwemmungen, Kriege, … oder die Berichte darüber werden zur Gewohnheit, beginnen also zu langweilen, dann muss man Katastrophen „erfinden“. Natürlich keine ganz neuen, das würde die Menschen kaum interessieren. Am besten, man lässt sich leiten von der geschichtlichen Erfahrung. Man nimmt also eine geeignete Katastrophe, eine Ungerechtigkeit, eine ernste Problematik aus der Vergangenheit, deren Ausläufer heute zwar immer noch merklich sind, die aber ihren Schrecken längst verloren hat und schreibt sie fort in die Gegenwart, und zwar so, als seien die daraus resultierenden Folgen im Hier und Heute immer noch hoch problematisch. Der Bericht über das Gewöhnliche von gestern wird derart zur gefühlten Katastrophe von heute und damit zur Nachricht, die interessiert und sich gut verkauft.
Einige Beispiel dazu:
Armut
Noch nie in der Geschichte hatten global so viele Menschen ein einigermaßen gesichertes Auskommen. Weltweit ist die Armut seit Jahren rückläufig, insbesondere dort, wo die Wirtschaft weitgehend frei agieren darf. Gemessen an den fürchterlichen Umständen früherer Zeiten kann man die Armut, zumindest in den Sozialstaaten des Westens, für ausgerottet ansehen. Trotzdem wird das Thema stärker problematisiert als je zuvor und treibt immer neue Blüten.
Anmerkung: Um nicht eingestehen zu müssen, dass die Armut heute viel weniger drückt als früher, definieren Soziologen Armut in Relation zum mittleren Einkommen. In der Folge geht z.B. die Anzahl der von Armut betroffenen um kein Jota zurück, wenn alle gleichmäßig 10 %, 20 %, 50 % mehr oder gar doppelt so viel verdienen.
Übrigens, große Armut besteht nach wie vor in den Ländern mit einem sozialistischen Wirtschaftssystem. Allen voran sind da Venezuela und Kuba zu nennen. Der Sozialismus beinhaltet eine Armutsgarantie für alle. Trotzdem wissen viele Intellektuelle – und solche, die sich dafür halten – nichts Besseres, als bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Sozialismus zu predigen. Auch hierzulande, neuerdings z.B. in Zusammenhang mit dem Klimaschutz. Mittlerweile werden sozialistische Thesen quer durch die Medienlandschaft auch in Deutschland mehr oder weniger offensiv vertreten. Die EU-Bürokratie mit ihren zahllosen die Wirtschaft einengenden Vorschriften ist ein Katalysator für diese Entwicklung.
Gleichberechtigung und Feminismus
Noch nie in der Geschichte hatten Frauen mehr Rechte, noch nie zuvor waren sie, was sie jetzt sind: vollauf gleichberechtigt. Trotzdem wird das Thema stärker problematisiert als je zuvor und treibt immer neue Blüten. Es wird der Eindruck erweckt, Frauen hätten unter großer Ungleichheit zu leiden und seien die Opfer der Gesellschaft. Und wer das in Zweifel zieht, ist mindestens misogyn, also frauenfeindlich, und wird in die Schublade „rechts“ (s. …) hineingelegt, was quasi dem Ausstoß aus der Gesellschaft gleichkommt.
Zum Beispiel wird bezüglich der teilweise unterschiedlichen Bezahlung von Männern und Frauen – hochtrabend „Gender Pay Gap“ genannt – regelmäßig behauptet, Frauen seien gegenüber Männern eklatant benachteiligt. Man scheut sich überhaupt nicht, z.B. Teilzeitkräfte voll in diesen Vergleich mit einzubeziehen, wohl wissend, dass Frauen zu einem deutlich größeren Anteil in Teilzeit arbeiten. Wie kaum anders zu erwarten, führt das im Ergebnis zu einer relativ großen Lohnlücke von 18%, nach anderer Rechnung gar von 22 %. Bei genauerer Beleuchtung wird indes klar, dass die tatsächliche Lücke – unter vergleichbaren Voraussetzungen, z.B. gleich Branche, gleiche Firma, Berufserfahrung und Erwerbsbiographie – allenfalls bei maximal 5 % liegt. Das mag ja immer noch ein nicht hinzunehmender Unterschied sein, der überwunden werden muss. Aber ist es die himmelschreiende Ungerechtigkeit, als die es ausgegeben wird? Dazu kann man nur süffisant feststellen, auch Männer verdienen im Schnitt 5 % weniger als Männer. Und Frauen 5 % mehr als Frauen sowie auch mehr als Männer.
Rassismus
Noch nie in der Geschichte waren Menschen aller Rassen in gleicher Weise gesellschaftlich integriert wie heute. Trotzdem wird das Thema stärker problematisiert als je zuvor und treibt immer neue Blüten. Da darf natürlich auch das passende Schlagwort nicht fehlen: struktureller Rassismus. Solche Schlagwörter benötigt man insbesondere dann, wenn sich die vermeintliche Problematik – von Einzelfällen abgesehen – überhaupt nicht konkret festmachen lässt. Es wird der Eindruck erweckt, Menschen anderer Hautfarbe würden systematisch diskriminiert und seien Opfer der gesellschaftlichen Verhältnisse.
Dabei trifft teilweise eher das Gegenteil zu. Schaut man die Fernsehwerbung oder blättert in einem Versandhauskatalog nach Mode, was sieht man da? Machen Sie’s mal. Sie werden überrascht sein von dem Bild, das da gezeichnet wird. Bilden die Protagonisten etwa den Bevölkerungsquerschnitt in Deutschland ab? Ja vielleicht, aber nicht in 2023 sondern eher in 2123.
Neulich wollte man an einer Berliner Schule sogar schon 6-Jährigen ein Bekenntnis gegen Rassismus abnötigen, obwohl Kinder in diesem Alter regelrecht noch überfordert sind, überhaupt zu verstehen, worum es dabei geht.
Rassismus ist der neue Generalvorwurf, der jeden, buchstäblich jeden treffen kann. Wer sich im Karneval „gedankenlos“ als Indianer verkleidet, einen Ureinwohner Nordamerikas Indianer und einen Inuit Eskimo nennt, der ist Rassist. Wer sich als Kabarettist das Gesicht schwarz anmalt und eine Posse reißt, der macht sich des Vergehens des „Blackfacing“ schuldig: Rassismus der besonders schlimmen Form. Wer als nichtfarbiger Musiker mit Rastalocken aufzutreten wagt: Ein Rassist. Und wer sich als weißer Europäer erdreistet, einem Didgeridoo Klänge zu entlocken, der macht sich gleichfalls der kulturellen Aneignung und damit des Rassismus schuldig. Diese Beispiele könnte man endlos fortsetzen.
Absurderweise ist das das genaue Gegenteil von Rassismus, weil sich so in gewisser Weise kulturelle Überschneidungen und Wertschätzung offenbaren. Wollte man denn umgekehrt Afrikanern, Indios oder Arabern von einer Aufführung der Zauberflöte ausschließen oder ihnen Beethovens Neunte vorenthalten? Es ist grotesk.
„Eigenartigerweise“ hört man von solchen Forderungen nichts. Auch blond gefärbte afrikanische Fußballspieler oder Leichtathleten erregen niemandes Anstoß, obwohl doch auch dies so etwas wie Aneignung ist. Es geht hier sogar um die Aneignung biologischer Merkmale, vergleichbar mit dem obigen Fall betreffend der Rastalocken oder des Blackfacing.
In Deutschland kann einen umgekehrt der Rassismus-Vorwurf schon dann treffen, wenn man einen Menschen schwarzer Hautfarbe danach frägt, wo er herkommt (und damit implizit, wo seine Vorfahren herkommen). Dabei kennt diese Frage jeder, der schon einmal innerhalb Deutschlands umgezogen ist und sich dabei ggf. durch seine leichte Dialektfärbung in seiner neuen Umgebung als Zugezogener zu erkennen gibt. Eigentlich zeigt sich derart lediglich das Interesse an der Person, mit Ausgrenzung hat das i.d.R. absolut nichts zu tun.
Gefahr „von Rechts“ und Faschismus
Noch nie in der Geschichte war rechtes Gedankengut in der Gesellschaft weniger verbreitet, noch nie waren Neonazis und andere Rechtsextreme so eindeutig ausgegrenzt und völlig ohne Einfluss. Noch nie in der Geschichte spielte faschistisches Denken eine so geringe Rolle, noch nie waren die wenigen tatsächlich existierenden Faschisten so weit entfernt von den Schalthebeln der Macht. Trotzdem wird das Thema stärker problematisiert als je zuvor und treibt immer neue Blüten. Es wird der Eindruck erweckt, Rechtsextreme stünden in der Mitte der Gesellschaft und ein rechter Mob könnte schon morgen die Macht an sich reißen und eine totalitäre Schreckensherrschaft errichten.
Nebenbei bemerkt: Heutzutage nennt man alles „rechts“, was nicht explizit links ist. Die links-illiberalen Medien (darunter auch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten) und Gruppierungen haben es seit den 1970er Jahren und nochmals beschleunigt ab etwa der Jahrtausendwende geschafft, das Adjektiv „rechts“, das ursprünglich ja nur eine konservative politische Verortung meinte, gründlichst zu diskreditieren. Rechts genannt zu werden hat heute ungefähr den gleichen herabsetzenden und verunglimpfenden Klang, wie in der jungen Bundesrepublik die Beschimpfung als Kommunist. Mehr noch, ein Kommunist war ein Roter, ein potentiell den Feind (die DDR, die Sowjetunion) unterstützender Gegner in der politischen Auseinandersetzung, aber er galt immerhin noch als Mensch.
Heute sind „Rechte“ sozusagen per definitionem böse und die natürlichen Feinde aller wohlmeinenden, demokratisch und humanistisch denkenden Menschen.
Mehr noch, „Rechte“ sind potentiell entmenschlicht. Man rückt sie ohne Weiteres in die Nähe des Nationalsozialismus. Dabei könnte nichts falscher sein, denn die Nazis waren Sozialisten, eben Nationalsozialisten, Hitler sah „Rechte“ [also Konservative, wie z.B. Graf Stauffenberg] als seine Feinde und er hatte recht damit. Heute klebt man „Rechten“ und allen, die man dafür hält, umstandslos Etiketten als Antidemokraten, Rassisten, Frauenfeinde, Antisemiten etc. auf die Stirn.
Effektive Ausgrenzung ist ganz einfach: Man nennt den Gegner „rechts“, was im Ergebnis nichts anderes bedeutet als Nazi, und schon muss man nicht mehr argumentieren. Der so Titulierte ist damit ausgestoßen und hat alle Hände voll zu tun, zu beweisen, dass nichts dran ist an den Vorwürfen. Im Zweifel wird ihm das nicht gelingen. Und das schon gar nicht, wenn er sich erdreisten sollte, in einer Sachfrage um der Zielsetzung willen, die Abgrenzung zu den wirklich Rechten (also offenen Faschisten) nicht in buchstäblich jeden veröffentlichten Satz einzubauen. Spätestens das wäre dann ja der Beweis, dass er ein „richtiger“ Rechter ist.
Roland Baader schreibt dazu: „Der breite Kanon der abendländischen Werte ist dabei zusammengeschrumpft auf einen einzigen sogenannten „europäischen Wert“, den Antifaschismus. Der Kampf gegen Rechts soll zwar vordergründig an den Hass der roten Brüder auf ihren angeblichen Feind, den längst verstorbenen braunen Bruder anschließen, richtet sich aber in Wahrheit gegen die bürgerliche, westliche, kapitalistische, zivilisierte, abendländische Welt – kurz: gegen die nichtsozialistische Welt. Wenn es beim Publikum nicht gar zu sauer aufstieße, so würde man am liebsten ohne Umschweife definieren: Abendländische Werte sind gleich Faschismus – und wahre demokratische Werte sind gleich Sozialismus. Kritik braucht dieser Rundumschlag-Antifaschismus allerdings kaum zu fürchten, denn wer sich als Anti-Antifaschist gegen ihn stellt, findet sich damit automatisch als zum Abschuss freigegebenen Faschisten wieder.“
Antisemitismus
Noch nie in der Geschichte, zumal in der Geschichte Deutschlands und Europas, gab es hierzulande weniger Antisemitismus, noch nie war der gesellschaftliche Konsens größer, solche Auswüchse der Menschfeindlichkeit zu stigmatisieren und sich gemeinsam gegen die wenigen Intoleranten zu stellen, trotzdem wird das Thema stärker problematisiert als je zuvor und treibt immer neue Blüten. Es wird der Eindruck erweckt, Antisemiten hätten eine feste Basis in der Mitte der Gesellschaft und wenn man nicht aufpasse, könnten Ewiggestrige jederzeit zu Pogromen aufrufen.
Damit nicht auffällt, dass das ein ganz großer Humbug ist, hat die Bundesregierung eigens einen Antisemitismusbeauftragten ernannt. Der kümmert sich nun vor allem darum, dass auch schon die Kritik an Israel im Hinblick auf die Politik gegenüber den Palästinensern als Antisemitismus gebrandmarkt wird. Und darin ist er überaus erfolgreich: Jegliche Kritik an der Politik Israels steht sofort im Verdacht des Antisemitismus. Nach dem menschenverachtenden Terrorakt der Hamas in Israel im Oktober 2023 und dem Vergeltungsangriff Israels auf Gaza, gilt das mehr als je zuvor.
Dabei ist es ein offenkundiges Problem, dass mit der Migration von Millionen Muslimen nach Deutschland in den vergangenen 10 Jahren erklärte Feinde Israels, und darunter zweifellos auch Antisemiten, in großer Zahl eingewandert sind. Das muss man dann aber auch so benennen und darf nicht so tun, als stünde dieser zugewanderte Antisemitismus in der Tradition des historischen, menschenfeindlichen Judenhasses der Nazis. Umgekehrt liegt der Verdacht nahe, dass die berechtigte Kritik an Israel im Hinblick auf die Kriegsführung in Gaza und die menschenverachtende Siedlungspolitik im Westjordanland ganz bewusst als Antisemitismus diskreditiert wird. Das ist die Instrumentalisierung des Antisemitismusvorwurfs mit dem Ziel der Unterdrückung jeglicher Israelkritik. Damit leistet man dem Kampf gegen Antisemitismus einen Bärendienst.
Klimawandel, Klimahysterie und CO2 Emission
Die CO2-Emisionen gehen seit Jahrzehnten stetig zurück. Heute emittieren wir in Deutschland etwa ein Drittel weniger als noch in den 1990er Jahren. Die Schadstoffemissionen sind gleichfalls rapide zurückgegangen, weil neue Technologien entwickelt wurden und die Wirtschaft große Anstrengungen zur weiteren Reduktion unternommen hat. Auch Autos werden immer sauberer und effizienter, usw. Trotzdem wird das Thema stärker problematisiert als je zuvor und treibt immer neue Blüten. Einzelne Gruppierungen mit großem gesellschaftlichem Einfluss, wie die Partei Bündnis 90 / Die Grünen, eine Reihe von NGOs, Fridays-for-Future oder andere Klimaaktivisten wie die sogenannte „Letzte Generation“ erwecken teilweise den Eindruck, der Weltuntergang stünde quasi unmittelbar bevor.
Eine beliebte Argumentation geht so: Deutschland verbraucht jedes Jahr 2,9 Erden, lebt also deutlich über seine Verhältnisse. Sicher wird die Ressourcenverschwendung, der Energiehunger und der westliche Lebensstil in Teilen durchaus zu Recht kritisiert. Man muss sich aber auch vergegenwärtigen, dass der daraus erwachsene Wohlstand unter größter Mühe und Entbehrungen erst im Laufe der Nachkriegszeit (nach dem 2. Weltkrieg) geschaffen wurde. Jedenfalls trifft das für die große Mehrheit zu.
Im Hinblick auf die vorstehende Argumentation muss es richtig heißen: Deutschland würde 2,9 Erden verbrauchen, wenn die ganze Welt wie Deutschland wäre – was sie aber nicht ist. Ja wenn die ganze Welt wie Deutschland wäre, dann läge das BIP der Welt um den Faktor 5x höher. Das fünffache BIP bei einem Verbrauch von 2,9 Erden … Daran sieht man, welches Effizienzpotential hier versteckt ist
Schuldzuweisungen gebieren keine Lösungsansätze
Der Reichtum in der westlichen Welt und insbesondere in Deutschland ist vorrangig durch Erfindungsgabe, Fleiß und harte Arbeit entstanden, nicht durch Ausbeutung, wie immer wieder behauptet wird.
Die Kritik an diesem westlichen Lebensstil erfolgt aus der Komfortzone der Nutznießer, die das harte Leben der Generationen davor nicht kennen und die nun, in einem relativen Luxus lebend, billige Forderungen aufstellen und Ratschläge erteilen, deren Konsequenzen sie nicht absehen.
Es ist dabei fast schon tragisch zu nennen, dass die eifrigsten Unterstützer der Energiewende und Kämpfer gegen den Klimawandel – in der Regel handelt es sich dabei um Geisteswissenschaftler ohne hinreichendes technisches Verständnis – die denkbar geringste Ahnung von der Materie und der Komplexität der Zusammenhänge haben.
Man fragt sich, warum die genannten Gruppen nicht aktiv, konstruktiv und ohne ideologische Scheuklappen daran arbeiten, die CO2-Emission zu reduzieren? Wenn es doch so schlimm steht, müsste man da nicht alle Hebel in Bewegung setzen und z.B. Kernkraftwerke, die ohne Weiteres noch 10 oder 20 Jahre sicher ihren Dienst verrichten können weiter betreiben? Sollte man nicht eher Kohlekraftwerke statt Atomkraftwerke stilllegen? Sollte man nicht z.B. Indien beim Bau von Kernkraftwerken unterstützen, wenn dafür im Gegenzug der Kohleabbau zurückgefahren wird?
Völlig verkannt wird, dass der wachsende Wohlstand den CO2-Ausstoß nur unterproportional hat steigen lassen. In den hochindustrialisierten Ländern hat sich die CO2 Emission bezogen auf das BIP im Zuge der technologischen Entwicklung sogar deutlich reduziert. Als Folge davon emittieren Industrienationen pro BIP-Dollar heute nur ein Drittel der CO2-Menge im Vergleich zum Rest der Welt.
Das eigentliche Problem der Welt ist daher die Überbevölkerung (zu der in der Vergangenheit auch die Industrienationen massiv beigetragen haben). Daher müssen auch die entwickelten Länder ihren Beitrag leisten. Und das tun sie auch. Es ist aber niemand damit geholfen, wenn sie ihre Wirtschaft ruinieren.
Jedenfalls ist die einseitige Fokussierung auf Verzicht ein nur wenig hilfreicher Beitrag. Genauso kurz gesprungen ist die platte Anklage der Wirtschaft.
Unabhängig davon ist die Argumentation mit dem „Verbrauch an Erden“ ein typisches Beispiel von Indoktrination und Missbrauch von Statistik. Das hilft nicht weiter. Wenn z.B. Entwicklungs- und Schwellenländer auf Kohle als Energieträger setzen, werden damit jegliche CO2-Einsparungen in den Industrienationen konterkariert. Am Ende steigt die globale CO2-Emission sogar (s. Können wir „die Welt retten“?). Der CO2-Ausstoß kann nur global reduziert werden. Andernfalls wird das Ziel verfehlt.
Da 90% der Menschen nicht in den klassischen Industrienationen leben (und 99% nicht in Deutschland), ist klar, wo das Rennen entschieden wird. Die Verantwortung Deutschlands beschränkt sich auf den deutschen CO2-Anteil, also 2%. Der Klimawandel wird in den schwach entwickelten bevölkerungsreichen Ländern entschieden, weil dort der Ressourcenaufwand für das Wohlstandswachstum viel höher ist als in den Industrienationen.
Was liegt Spencer’s Law zu Grunde?
Ein wesentlicher Grund für die Spencer’s Law zugrundliegende Erkenntnis liegt im Mangel an historischen Kenntnissen. Die Junge Generation weiß oft kaum über die jüngste Vergangenheit der letzten 20 – 50 Jahre Bescheid. Unter welch teilweise widrigen Umständen ihre Großeltern lebten – davon wissen sie nichts. Und was vor 100 Jahren war – das können sie sich absolut nicht mehr vorstellen. Es ist vielfach genauso abstrakt für sie, wie das ferne Mittelalter, von dem sie nichtsdestotrotz meist auch nur einen blassen Schimmer haben.
Mein Großvater war ein angesehener Bauer in einem mittelgroßen Dorf. Er betrieb seine Landwirtschaft noch in den 1950er Jahren fast völlig ohne moderne technische Geräte. Zwei Pferde, Pflug und Egge, zwei Transportwagen. Das war’s im Wesentlichen. Der Rest war Handarbeit. Pflügen mit den Zugpferden, säen per Hand, Gras und Klee mähen mit der Sense, ebenso Getreide schneiden, zu Garben binden, trocknen lassen, auf den Leiterwagen laden, zum Dreschplatz bringen, der Mühle den Weizen verkaufen, das Stroh in der Scheune lagern, und so weiter … Ein extrem mühsames Arbeiten nur zwei, drei Generationen zurück. Zwölf Arbeitsstunden jeden Tag. Ein Leben lang keinen Urlaub. Kein Traktor, kein Auto, kaum elektrische Geräte. – Und nebenbei bemerkt: auch kein erwähnenswerter CO2-Ausstoß. Vermutlich im ganzen Leben weniger als das, was ein klimabewusster junger Mensch heute in einem Jahr emittiert.
Das alles ist für Jugendliche heute unvorstellbar. Es erscheint ihnen wie eine längst vergangene Zeit – und ist doch nur 70 Jahre zurück. Und deswegen halten sie die bestehenden Zustände fast kaum mehr wahrnehmbarer Ungerechtigkeiten für schlimmste Verbrechen. Natürlich ist es das Vorrecht der Jugend, die Welt verbessern zu wollen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Problematisch wird es dann, wenn die solchermaßen identifizierten Angelegenheiten absolut gesetzt werden und das Leben der Gesellschaft insgesamt zu dominieren drohen. In früheren Zeiten war das in dieser Form kaum möglich, heute aber, mit Internet und sozialen Medien, verbreitet sich jeder noch so unreife Gedanke als vermeintlich ultimative Bedrohung oder Lösung in Windeseile in alle Welt.
Mangelnde Geschichtskenntnisse gab es natürlich auch schon zu Spencers Zeiten. Daneben gibt es aber auch das Interesse der Medien – und das waren damals die Printmedien – an Stories, die die Auflage steigen lassen. Und bekanntlich verkauft sich keine Botschaft besser als eine schlechte, denn „nur eine schlechte Nachricht ist eine gute Nachricht“. Und wenn man keine wirklich schlechte Nachricht hat, dann kann man ja eine erfinden. Das ist überhaupt nicht despektierlich gemeint, denn dazu muss man noch nicht einmal wirklich lügen. Zum Beispiel kann man Statistiken immer so selektieren und interpretieren, dass sie das unterstützen, was man inhaltlich ausdrücken will. Wenn man dabei einen guten Job macht, immer wieder in die gleiche Kerbe haut und Mitstreiter findet, die das Thema variieren, wiederholen und so die Problematik gefühlt verstärken, dann kann man derart fast jeden beliebigen Unsinn und jede Unwahrheit zur scheinbar erwiesenen Tatsache und schreienden Ungerechtigkeit machen. Auf die Richtigkeit oder Vernünftigkeit der Angelegenheit kommt es dabei nicht wirklich an.
Entlarvend für diesen im Prinzip simplen Mechanismus des aufmerksam Machens oder gar Aufbauschens, ist die dabei nicht selten verwendete Wortwahl „sensibilisieren“. Sensibilisieren heißt ja nichts anders, als etwas durch gezielte Verstärkung fühlbar machen, was ansonsten kaum wahrnehmbar wäre. Und genau um diese Grundwahrheit geht es.
Heute ist das alles eher noch viel einfacher als vor gut 100 Jahren, weil es neben den Printmedien auch Funk und Fernsehen mit der im Grundsatz selben nach Aufmerksamkeit dürstenden Interessenlage gibt. Nochmals verstärkt und beschleunigt werden die Abläufe durch die sozialen Medien, die von den interessierten Gruppen ganz gezielt zum Zwecke der „Sensibilisierung“ für die Materie, manchmal auch zur Aufheizung der Situation genutzt werden.
Wir erleben es nahezu täglich.












































