Corona-Pandemie verkürzt die Lebenserwartung

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Das objektive Maß für die Schwere der Pandemie ist der Einfluss auf die Lebenserwartung

Nach den sich täglich überschlagenden Horrormeldungen zu Infektionszahlen, Todesfällen und Corona-Mutanten, Impfstau, Schulschließungen, Homeoffice, Ausgangs- und Reisebeschränklungen … hat mich zunehmend die Frage interessiert, inwieweit die Corona-Pandemie die Lebenserwartung der Menschen beeinflusst. Genauer, wie stark reduzieren die beobachteten Covid-19-Todesfallzahlen die Lebenserwartung in den unterschiedlichen Altersgruppen.

Annahmen für die Berechnung der Lebenserwartung

Als Randbedingung wurde angenommen, dass die Corona-Pandemie noch ein weiteres Jahr mit der gleichen Intensität anhält und weitere etwa 50.000 Todesopfer fordert bevor 2022 die Impfungen in der Breite Wirkung zeigen werden. Sofern die Impfungen wider aller Erwartung sehr schnell erfolgen, könnte sich der Effekt auf die Reduzierung der Lebenserwartung halbieren.

Die Berechnung fußt auf den Daten des RKI (Todesfallzahlen „an oder mit“ Corona), den Sterbetafeln des Bundesamtes für Statistik (DeStatis) sowie zum Abgleich den Sterbezahlen für 2018 (Statista). Als Vergleichswerte für die Lebenserwartung wurden die Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft (DeutschlandInZahlen, s. [10] und [11]) herangezogen.

Darstellung der Ergebnisse

Das folgende Diagramm (s. Abb. 1) zeigt für Deutschland die Reduzierung der Lebenserwartung in der Corona-Pandemie (blaue , grüne und rote Säulen von oben nach unten). Zugrunde gelegt sind die Todesfallzahlen per 26.01.2021 in Höhe von 53.000 („an oder mit“) Covid-19-Toten in der beobachteten Altersverteilung.

Reduzierung der Lebenserwartung in der Corona-Pandemie (blaue , grüne und rote Säulen von oben nach unten).

Abbildung 1: Reduzierung der Lebenserwartung in der Corona-Pandemie (blaue , grüne und rote Säulen von oben nach unten). Zugrunde gelegt sind die Todesfallzahlen per 26.01.2021 in der beobachteten Altersverteilung. Zum Vergleich: Die grau-punktierte Kurve zeigt die relative Lebenserwartung ohne Beeinträchtigung durch Corona im Jahre 2010 an.

Man entnimmt der Grafik, dass für die Altersgruppen bis 50 keine messbare Reduzierung der Lebenserwartung eintritt. Für die Altersgruppen bis 70 bleibt die Reduzierung der Lebenserwartung noch unter 0,1 Lebensjahren. Für Menschen im Alter von 80 reduziert sich die Lebenserwartung um etwa 0,2 Jahre, im Alter von 90 um etwa 0,25 Jahre.

Analyse und Diskussion

Auf den ersten Blick erscheint der Einfluss überraschend gering und man fragt sich, ob dies die massiven gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Maßnahmen und Einschränkungen der Grundrechte rechtfertigt.

Ist das vielleicht eine nicht angemessene Sicht? Sind durchschnittlich 0,2 Lebensjahre weniger doch ein größerer Einschnitt, als dies die kleine Zahl ausdrückt. Wird durch diese Betrachtung die grundsätzlich insbesondere für die Älteren bestehende Gefahr verharmlost?

Schauen wir uns zum Vergleich die allgemeine Lebenserwartung ohne Beeinträchtigung durch Corona im Jahre 2010 an (s. grau-punktierte Kurve in Abb. 1).

Die grauen Dreiecke markieren die relative Lebenserwartung im Jahre 2010 für die Lebensalter 1, 30, 60 und 80. Wie man erstaunt zur Kenntnis nimmt, war die allgemeine Lebenserwartung vor einem Jahrzehnt signifikant geringer als im Jahr 2020 unter den herrschenden Corona-Bedingungen. Konkret: Ein 80-Jähriger im Jahr 2020 hatte trotz der Corona-Gefahr immer noch eine höhere Lebenserwartung als ein 80-Jähriger im pandemiefreien Jahr 2010. Bei den Jüngeren beläuft sich der Unterschied mit 0,3 bis fast 0,7 Jahre gar auf ein Vielfaches des spezifischen Einflusses aufgrund von Corona.

Entwicklung der Lebenserwartung in den letzten 30 Jahren

Wenn wir weiter zurückgehen, etwa auf das Jahr 1990 oder 2000, dann werden die Unterschiede noch eklatanter. In Abb. 2 ist exemplarisch die Entwicklung der Lebenserwartung seit 1990 für 30- 60- und 80-Jährige aufgetragen. Wie man den Kurvenverläufen entnimmt, war vor nur zwei Dekaden die Lebenserwartung für 80-Jährige um 0,9, für 60-Jährige gar um 1,9 Lebensjahre geringer als heute. Bei den unter 60-Jährigen (grüne und blaue Kurven) ist der Einfluss der Corona-Pandemie auf die Lebenserwartung in dieser Skalierung nicht wahrnehmbar. Aber auch der Verlauf bei den 80-Jährigen (rote Kurve) lässt nur eine kleine Delle erkennen. In Summe darf man daher festhalten: Im Vergleich zu dem in den letzten 30 Jahren registrierten Anstieg fällt der partielle Rückgang der Lebenserwartung aufgrund von Corona nur äußerst bescheiden aus.

Entwicklung der Lebenserwartung seit 1990 für 30- 60- und 80-Jährige. Die Werte für die Lebenserwartung unter Corona-Bedingungen sind beim Übergang von 2020 auf 2021 jeweils durch die farbigen Punkte markiert.

Abbildung 2: Entwicklung der Lebenserwartung seit 1990 für 30- 60- und 80-Jährige. Die Werte für die Lebenserwartung unter Corona-Bedingungen sind beim Übergang von 2020 auf 2021 jeweils durch die farbigen Punkte markiert. Mittels der grauen Säule hervorgehoben ist die Zeitspanne der Corona-Pandemie (ab Anfang 2020, im Modell verlängert bis Anfang 2022). Datenstand per 26.01.2021.

Nun sind bekanntlich insbesondere die Älteren von der Pandemie betroffen. Deswegen wollen wir den Einfluss der Corona-Pandemie für diese Gruppe schärfer herauszuarbeiten. Dazu betrachten wir den Kurvenverlauf bei den 80-Jährigen noch etwas genauer (s. hierzu Abb. 3). Wir sehen hier die gleiche Kurve wie in Abb. 2, nun aber in einem größeren Maßstab, so dass der „Einbruch“ stärker zur Geltung kommt. Der Rückgang im Vergleich zur vorherigen positiven Entwicklung der Lebenserwartung im Verlauf der letzten 30 Jahre ist unverkennbar. Man sieht aber auch deutlich, dass der Verlust an Lebenserwartung nur einen kleinen Bruchteil des Zuwachses der letzten 20 oder 30 Jahre ausmacht. In etwa beschränkt sich die Einbuße auf den in den letzten 3 – 5 Jahren verzeichneten Gewinn.

Entwicklung der Lebenserwartung für 80-Jährige von 1990 bis 2020. Der Wert für die Lebenserwartung unter Corona-Bedingungen ist beim Übergang von 2020 auf 2021 durch den roten Punkt markiert.

Abbildung 3: Entwicklung der Lebenserwartung für 80-Jährige von 1990 bis 2020. Der Wert für die Lebenserwartung unter Corona-Bedingungen ist beim Übergang von 2020 auf 2021 durch den roten Punkt markiert. Die graue Säule überdeckt die Zeitspanne der Corona-Pandemie (ab Anfang 2020, im Modell verlängert bis Anfang 2022). Datenstand per 26.01.2021.

Corona ein Schnippchen schlagen durch Zeitreise in die Vergangenheit?

Der zunächst verlockend klingende Gedanke, der Corona-Gefahr dadurch zu entgehen, dass man mit der Zeitmaschine zurück ins Jahr 2000 reist, würde sich nach der vorstehenden Analyse als fataler Fehler erweisen. Gegenüber der „hochriskanten“ Situation in der 2020-Corona-Pandemie würden 80-Jährige 0,7 Lebensjahre einbüßen; 60-Jährige würden gar ein noch schlechteres Geschäft machen, ihnen gingen 1,8 Lebensjahre verloren. Wohlgemerkt, wir sprechen hier vom Jahr 2000, also von der jüngsten bereits hochtechnisierten Vergangenheit, nicht von der ferneren Vorkriegszeit.

Bewertung des beobachteten Rückgangs

Auf den zweiten Blick ist daher der Einfluss der Corona-Pandemie auf die Lebenserwartung nicht nur in der absoluten Höhe, sondern auch im Vergleich mit den Vorjahren überraschend gering und man fragt sich nun erst recht, ob das die massiven Beschränkungen in allen Lebensbereichen wirklich rechtfertigt.

Damit sollen die Einzelschicksale nicht verharmlost werden. Natürlich ist jeder Tote ein Toter zu viel. Das gilt indes unabhängig von der Sterbeursache grundsätzlich auch für die 95% anderen Verstorbenen.

Indessen wird man mit dieser Individualbetrachtung dem Charakter einer Pandemie nicht gerecht. So hart das im Einzelfall auch klingen mag: Entscheidend für die Beurteilung der Schwere einer Pandemie sind die Auswirkungen auf die Gesamtbevölkerung. Die Individualschicksale sind nicht anders zu beurteilen als bei anderen Krankheiten auch. Täglich sterben in Deutschland etwa 2.600 Menschen, die meisten davon an Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen. Und diesbezüglich sind die Jüngeren in Relation sehr viel stärker betroffen als von Corona.

Der oft gehörte Hinweis, das könne man nicht vergleichen, weil es sich bei Corona um ein hochansteckendes Infektionsgeschehen handelt, ist nicht stichhaltig. Natürlich kann man sich gegen diese Infektion mittels Eigenverantwortung wirksam schützen. Jedenfalls trifft dies für die sehr große Mehrheit (s. [13]) uneingeschränkt zu. Für die wenigen, die sich nicht oder nicht ausreichend schützen können, z.B. die Bewohner von Pflege- und Altenheimen, müssen aktive Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Dazu gibt es Konzepte, die besser wirken als ein undifferenzierter Lockdown. Und insbesondere hier ist der Staat gefordert, Verantwortung zu übernehmen.

Wie schlimm würde es sein, wenn Deutschland von Trump regiert worden wäre?

Nun muss man aber auch festhalten, dass die geringe Auswirkung auf die Lebenserwartung natürlich auch eine Folge der getroffenen Schutzmaßnahmen ist. Völlig ohne Vorkehrungen wie Abstand halten, Hygiene und ggf. Maske tragen würden die Todesfallzahlen mit Sicherheit deutlich höher liegen und damit einhergehend auch der Einfluss auf die Verkürzung der Lebenserwartung markanter ausfallen.

Nehmen wir als probates Negativ-Szenario die USA, bis vor kurzem mit dem bekennenden Corona-Leugner Donald Trump an der Spitze. In den USA verzeichneten wir per Ende Januar etwa 430.000 Todesfälle. Entsprechend dem Verhältnis der Einwohnerzahl umgerechnet, wären das ca. 107.000 Todesfälle in Deutschland. Auf dieser Basis würde sich somit die Lebenserwartung für 80-Jährige um ca. 0,4 Jahre reduzieren. Für 60-Jährige und noch jüngere läge der Wert deutlich unter 0,1 Jahren und damit unter der Messbarkeitsgrenze (60-Jährige 0,06, 30-Jährige 0,023). Auch in diesem Falle haben wir eine theoretische Pandemiedauer von zwei Jahren und damit in der Projektion insgesamt 210.000 Coronatote zugrunde gelegt. Klar, die Todesfallzahlen wären etwa doppelt so hoch. Dennoch fällt es schwer, dieses Alternativszenario als unheilvolles Totalversagen zu verstehen.

Pandemie für immer

Die vorstehenden Betrachtungen wurden sämtlich unter einer markanten Randbedingung vorgenommen: Dauer der Pandemie 2 Jahre. Wie wäre es denn im Kontrast, wenn uns die Pandemie in der gegenwärtigen Schärfe mit ca. 50.000 Toten p.a. dauerhaft heimsuchen würde? Sei es, weil die Impfstoffe nicht wie erhofft wirken? Oder, weil z.B. viele neue mutierte Viren auftauchen, für die es keine effektive Behandlung gibt? Die Frage ist also, wie stark sich eine dauerhafte Corona-Pandemie auf die Lebenserwartung auswirken würde. Mit Sicherheit bliebe es nicht bei den geringfügigen Reduzierungen, wie wir sie oben gesehen haben.

Tatsächlich fällt die Verringerung der Lebenserwartung mit einer Einbuße von 0,8 Lebensjahren für 80-Jährige und etwa ein Jahr weniger Lebensspanne für 60-Jährige und Jüngere deutlich aus. Aber auch hier muss man konstatieren, dass das im schlimmsten Falle nur einen Rückschritt auf das Niveau der allgemeinen Lebenserwartung des Vergleichsjahres 2000 bedeuten würde. Keine Frage, das wäre ein drastischer Einschnitt. Mit größeren Recht als man das in der gegenwärtigen Situation ohnehin tut, würde man das als Tragödie bezeichnen. Trotz alledem wird man kaum sagen können, die Menschen zur Jahrtausendwende würden unter katastrophalen Bedingungen gelebt haben.

Die Dauer-Pandemie müssen wir nicht befürchten, umso weniger gibt es Anlass, die gegenwärtige Situation mit ihren nach obiger Analyse insgesamt noch sehr moderaten Belastungen als Katastrophe zu überhöhen.

Resümee

Das durchschnittliche Covid-19-Sterbealter liegt bei etwa 83 Jahren (s. [13]) und ist damit sogar höher als die allgemeine Lebenserwartung. Wir haben gesehen, dass die Verringerung der Lebenserwartung durch Corona für die Altersgruppen bis 70 unter 0,1 Lebensjahren bleibt. Auch für die Älteren reduziert sich die Lebenserwartung nur geringfügig: Bei einer Pandemiedauer von 2 Jahren mit 50.000 Toten p.a. büßen 80-Jährige im Durchschnitt etwa 0,2 Jahre Lebenserwartung ein, 90-Jährige etwa 0,25 Jahre.

Insgesamt ist der Einfluss der Corona-Pandemie auf die Lebenserwartung nicht nur in der absoluten Höhe, sondern auch im Vergleich mit der allgemeinen Entwicklung der Lebenserwartung in den letzten 2 bis 3 Dekaden überraschend gering. Der Verlust an Lebenserwartung macht bei den Jüngeren einen kaum messbaren, einen winzigen Bruchteil des in diesem Zeitraum verzeichneten Zuwachses aus. Sogar für die Älteren um 80 bleibt die Minderung noch unterhalb des allgemeinen Anstiegs der Lebenserwartung der letzten 10 Jahre.

Die vom Coronavirus ausgehende Gefahr für bestimmte Gruppen soll nicht verharmlost werden. Nach der vorstehenden Analyse gibt es aber auch ebenso wenig einen Grund, die Gesellschaft von einem Lockdown in den nächsten zu treiben. Stattdessen muss man diejenigen durch gezielte Maßnahmen schützen, die des Schutzes bedürfen, also insbesondere die Bewohner von Alten – und Pflegeheimen sowie die Älteren mit Vorerkrankungen. Alles andere ist völlig unverhältnismäßiger Aktionismus. Unbegründete Panikmache befeuert die allgemeine Hysterie, daraus erwächst indes kein nachhaltig wirksamer Lösungsansatz.


Quellen:

[1] Täglicher Lagebericht des RKI zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) – 26.01.2021 – AKTUALISIERTER STAND FÜR DEUTSCHLAND. RKI

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Jan_2021/2021-01-26-de.pdf?__blob=publicationFile

[2] Täglicher Lagebericht des RKI zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) – 01.12.2020 – AKTUALISIERTER STAND FÜR DEUTSCHLAND. RKI

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Dez_2020/2020-12-01-de.pdf?__blob=publicationFile

[3] Corona-Infektionen (COVID-19) in Deutschland nach Altersgruppe und Geschlecht (Stand: 26. Januar 2021). Statista

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1103904/umfrage/corona-infektionen-covid-19-in-deutschland-nach-altersgruppe/#professional

[4] Todesfälle mit Coronavirus (COVID-19) in Deutschland nach Alter und Geschlecht (Stand: 26. Januar 2021). Statista

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1104173/umfrage/todesfaelle-aufgrund-des-coronavirus-in-deutschland-nach-geschlecht/

[5] Bevölkerung – Zahl der Einwohner in Deutschland nach Altersgruppen am 31. Dezember 2019. Statista

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1112579/umfrage/bevoelkerung-in-deutschland-nach-altersgruppen/

[6] Altersspezifische Sterbewahrscheinlichkeiten der Männer in Deutschland. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB)

https://www.bib.bund.de/DE/Fakten/Fakt/S05-Altersspezifische-Sterbewahrscheinlichkeiten-Maenner-ab-1871.html?nn=9992070

[7] Altersspezifische Sterbewahrscheinlichkeiten der Frauen in Deutschland. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB)

https://www.bib.bund.de/DE/Fakten/Fakt/S06-Altersspezifische-Sterbewahrscheinlichkeiten-Frauen-ab-1871.html?nn=9992070

[8] Sterbetafel 2017/2019 – Ergebnisse aus der laufenden Berechnung von Periodensterbetafeln für Deutschland und die Bundesländer 2020. DESTATIS – Statistisches Bundesamt

https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/Publikationen/Downloads-Sterbefaelle/periodensterbetafel-erlaeuterung-5126203197004.pdf?__blob=publicationFile

[9] Anzahl der Sterbefälle in Deutschland nach Altersgruppe im Jahr 2018. Statista

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1013307/umfrage/sterbefaelle-in-deutschland-nach-alter/

[10] Tabelle: Lebenserwartung (Männer) – in Jahren

https://www.deutschlandinzahlen.de/tab/deutschland/demografie/natuerliche-bevoelkerungsbewegungen/lebenserwartung-maenner

[11] Tabelle: Lebenserwartung (Frauen) – in Jahren

https://www.deutschlandinzahlen.de/tab/deutschland/demografie/natuerliche-bevoelkerungsbewegungen/lebenserwartung-frauen

[12] Das „Vorsorgeprinzip“ der Kanzlerin in der Pandemie ist einseitig

https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-das-vorsorgeprinzip-der-kanzlerin-in-der-pandemie-ist-einseitig-/26833548.html

[13] Die Corona-Pandemie: Alter ist der dominierende Risikofaktor

https://www.linkedin.com/pulse/die-corona-pandemie-alter-ist-der-hauptrisikofaktor-fischer/

[14] Das Coronavirus: Harmlos? Bedrohlich? Tödlich?

https://www.linkedin.com/pulse/das-coronavirus-harmlos-bedrohlich-t%C3%B6dlich-hieronymus-fischer

[15] Aktuelles zu Corona

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2 Gedanken zu „Corona-Pandemie verkürzt die Lebenserwartung“

  1. Hallo, diese niedrigen Zahlen irritieren mich, denn dann müsste ja ein ganz einfacher Dreisatz komplett falsch sein.
    Wenn dauerhaft 50.000 Menschen pro Jahr in Deutschland zusätzlich sterben (an Covid-19) und es sterben durchschnittlich ohne covid-19 jährlich ca. 1000.000 Menschen (1/80stel) in Deutschland ohnehin,….. dann ist das doch eine Erhöhung der jährlichen Todeszahlen um 5% und damit in etwa auch eine Reduzierung der durchschnittlichen Lebenserwartung aller Menschen in Deutschland um 5%, also leben dann alle Menschen hier 80 Jahre x 5% = 4 Jahre kürzer im Durchschnitt. Dies gerechnet in einem dauerhaften, eingeschwungenen Zustand mit Covid-19 Toten. Wo bitte liegt der Fehler? Sie reden hier von 0.8%-1.0% in dem Artikel für diesen Fall. Das kann ich nicht glauben. Wobei die 50.000 Toten keine sehr hohe Abschätzung sind, das sind 137 Tote/Tag. Die geringe Zahl hat man nur mit Maßnahmen und ob die von alleine über die Jahre runtergehen würden, weiss kein Mensch.
    Hinzu kommt, dass die Berechnung davon ausgeht, dass die Pandemie nicht eskaliert, wenn man nichts tut. Auch unter Trump wurde in den USA jede Menge an Maßnahmen gemacht. Die meisten Menschen waren klüger als Trump. Auch sind die dauerhaft gesundheitlich Geschädigten einhergehend mit verkürzter Lebenserwartung in dieser Betrachtung ausgeblendet, also die Lebenszeitverkürzung der Menschen, die gar nicht direkt sterben. Mit einer geschädigten Lunge lebt es sich kürzer. Auch eine potentielle Verschlimmerung durch Mutationen die ohne Eindämmung der Pandemie mit Sicherheit hochziehen würden (mit unbekannten Konsequenzen) sind im Artikel ausgeblendet.
    Mir scheint, dass das Gesamtbild, das hier vermittelt wird, nicht passt.
    Hier eine kleine Gegenrechnung: In New York City mit ca. 8 Mio Einwohner ist an Covid-19 innerhalb eines Jahres 0.35% der Gesamtbevölkerung gestorben. Im Durchschnitt ohne covid-19 sterben da ca. 1.25% der Bevölkerung pro Jahr (80 Jahre Lebenserwartung). Das waren dann also fast 30% mehr Tote als normalerweise und in einem eingeschwungenen Zustand von jährlich 0.35% Covid-19 Toten würde dies die durchschnittliche Lebenserwartung von 80 Jahren auf 57 Jahre absenken. Dabei sind die dauerhaft gesundheitlich geschädigten mit dadurch verkürzter Lebenserwartung und verringerter Lebensqualität noch nicht mitgerechnet.
    Ich würde mich über eine Antwort des Erstellers des Artikels mit einer Klarstellung seiner Berechnungsmethoden freuen.
    mit freundlichem Gruß

    1. Herr Kubitzek, leider ist Ihr Dreisatz für diesen Zweck völlig ungeeignet.

      Die Lebenserwartung wird fachlich richtig mit den Mitteln der Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik als Erwartungswert einer Zufallsvariable bestimmt. Mit n = „Lebensalter“ und p_n = „Ablebenswahrscheinlichkeit im Alter von n Jahren“ lautet die Formel dazu:

      Lebenserwartung = 1*p_1 + 2*p_2 +3*p_3 + … + 99*p_99 +100*p_100 + …

      Im Grundsatz ist das eine unendliche Folge von Summanden. Als Ausdruck der endlichen Lebensspanne von Menschen sind indessen die Faktoren p_n für n > 120 Jahre immer null.

      Die Ablebenswahrscheinlichkeit muss unterschieden werden vom Sterberisiko im Alter n. Letzteres bezieht sich als bedingte Wahrscheinlichkeit auf die Untergruppe der bis zum betreffenden Alter überlebenden Personen. Ein Beispiel: Für 70-Jährige beträgt das Risiko, im Laufe eines Jahres zu versterben (Sterberisiko) etwa 2,2 %. Da aber nur ca. 78 % aller Menschen ihren 70. Geburtstag erleben, liegt die Ablebenswahrscheinlichkeit im Alter von 70 Jahren p_70 bei ca. 1,76 %. Der Unterschied zum Sterberisiko ist hier noch nicht dramatisch, wächst aber mit zunehmendem Alter stark an. Bei 90-Jährigen: Sterberisiko 18 %, p_90 = 3,5 %. Die Summe der Ablebenswahrscheinlichkeiten ist 100 % (was besagt, jeder muss sterben).

      Nach diesem kurzen Exkurs nun zu Ihrer Rechnung. Hier gibt es mehrere Fehler. Ich gehe nur auf den wichtigsten ein, da alle folgenden mehr oder weniger damit zusammenhängen.

      Zunächst ist Ihre Grundannahme unzutreffend, dass eine allgemeine Erhöhung der Sterblichkeit um 5 % die Lebenserwartung um 5 % senken würde. Dass das falsch ist, können Sie sich leicht selbst überlegen: 5 % Übersterblichkeit heißt, die allgemeine Sterberate steigt von 1,25 % (1:80) auf 1,31 % (= 1,25 * 1,05). Das ist damit der Mittelwert über alle Altersstufen. Nicht etwa 1,31 % der 20-Jährigen sterben, auch nicht 1,31 % der 40-Jährigen. Tatsächlich sind weniger Als 10 % der Sterbefälle jünger als 60, obwohl diese Gruppe mehr als 70 % der Bevölkerung ausmacht. Die allgemeine Mortalität p. a. von 0-59-Jährigen liegt bei nur 0,15 % – und diese Zahl ändert sich durch Corona allenfalls an der dritten Stelle hinter dem Komma. Vielleicht sollten Sie hier nachlesen: Die Corona-Pandemie: Alter ist der dominierende Risikofaktor | sumymus blog

      Um das an einem umgekehrten Beispiel plausibel zu machen, betrachten wir den Fall, dass sich die Geburtenrate dramatisch erhöht, sagen wir zusätzlich 10 Mio. Kinder jedes Jahr aufs Neue. Nach 8 Jahren hat sich die Bevölkerung verdoppelt und demnach die Sterberate von 1,25 % auf etwa 0,6 % halbiert. Welchen Einfluss hat das auf die Lebenserwartung? In erster Näherung überhaupt keinen. Nach Ihrer Rechnung sollte sich aber die Lebenserwartung verdoppeln, was offensichtlich absurd ist.

      Der Hauptfehler in Ihrer Rechnung liegt darin, dass Sie weder das Altersprofil der Covid-19 Toten noch die Altersverteilung in der Bevölkerung und die Altersverteilung der Sterbefälle insgesamt berücksichtigen. Mit einem simplen Dreisatz liegt man hier beliebig weit daneben oder landet vielleicht auch einmal einen Zufallstreffer. Auf die jüngere Hälfte der Bevölkerung entfallen 1 % der Coronatoten, bei den ältesten 10 % der Menschen sind es dagegen 80 %. Die Altersgruppe 0-59 zählt etwa 9,5 % aller Todesfälle, aber nur 3,5 % der Coronatoten. In Ihrer Rechnung bleibt das alles unberücksichtigt. Das Durchschnittsalter der Coronatoten (ca. 83 Jahre) ist höher als die durchschnittliche Lebenserwartung.

      Richtig gerechnet ergibt sich im eingeschwungenen Zustand (also Dauer-Pandemie _im_gegenwärtigen_Umfang_) 0,8 Jahre für 80-Jährige und etwa 1 Jahr weniger Lebensspanne für 60-Jährige und Jüngere.

      Natürlich gelten die getroffenen Aussagen nur unter den genannten Voraussetzungen. Bei anderen Annahmen ergeben sich auch andere Zahlen.

      Über die möglichen langfristigen Folgen einer Covid-19-Erkrankung liegen noch keine validen Zahlen vor. Der Grund ist naheliegend: Die Pandemie ist erst ein Jahr alt ist. Was man jetzt beobachtet sind Kurzfristfolgen in der Rekonvaleszenz. Nach chinesischen Studien verspüren 75 % der schwer Erkrankten Nachwirkungen bis zu 3 oder 6 Monaten. Die Hauptsymptome sind dabei Müdigkeit und Abgeschlagenheit. In 5 % der Fälle sollen die Folgen gravierender sein. Mehr gibt es dazu derzeit nicht zu sagen. Die Auswirkung auf die künftige Lebenserwartung: Reine Spekulation und absolut unseriös. Dasselbe gilt für Mutationen: Es ist unseriös, über mögliche Verschärfungen zu spekulieren, solange man keine Felddaten hat. Meine Rechnung basiert auf nachprüfbaren Fakten, nichts sonst.

      Richtig ist auch: Wenn man keinerlei Schutzmaßnahmen ergriffen hätte, würde die Reduzierung der Lebenserwartung höher ausfallen, aber nicht dramatisch höher, wie die exemplarische Rechnung im Text zeigt. Die wichtigsten Schutzmaßnahmen hat man indes unterlassen: Schutz der Alten in den Pflegeheimen. Allein ein Drittel aller Coronatoten entfällt auf die Gruppe der 850.000 Heimbewohner (1 % der Bevölkerung).

      Maßnahmen wie Masken tragen im Freien sind barer Unsinn und entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage. Es ist reiner politischer Aktionismus, der offenbar ablenken soll von den viel wichtigeren Versäumnissen (Schutz der Alten in den Heimen, Impfstoffbeschaffung, Zustand der Schulen). Auch Masken beim Einkaufen haben eher einen symbolischen Wert.

      Was Ihre Gegenrechnung zu New York angeht, so gilt die Argumentation von oben: So simpel kann man den Einfluss auf die Lebenserwartung nicht bestimmen. Ich kenne die Altersverteilung der Sterbefälle in New York nicht, daher kann ich Ihnen nicht sagen, wie hoch die tatsächliche Absenkung der Lebenserwartung dort ist. Deutsche Altersverteilung unterstellt, kann man grob abschätzen, dass die Reduzierung der Lebenserwartung für 80-Jährige New Yorker bis zu einem Jahr betragen könnte, für 60-Jährige etwa 0,2 Jahre, für Jüngere weniger als 0,1 Jahre (bei einer Pandemiedauer von 2 Jahren).

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