Das Dudie – Kleines Wörterbuch des Genderdeutschen

Auch „Gaga-Dudie“ genannt.

Herausgeber*innen:

Frau Profin. Drin. Konrada Dudie, Lehrstuhlinhabend für gendergerechte Linguistupistik an der Friederike-von-Duck-Diversität, Entenhausen

Div Profo. Dro. Heinrich Gagalowski, Lehrbeauftragtseiend für vergleichende Langustik an der Wilhelmine-Tiefschule, Watt-Ebbenhagen


Hinweis: Das Wörterbuch ist im PDF-Format mit der nebenstehenden Grafik verlinkt. Erläuterungen und Praxisbeispiele finden sich im nachfolgenden Text.

Vorbemerkung: Was macht denn ein Langustiker mit Spezialgebiet vergleichende Langustik unter besonderer Berücksichtigung des Asterisks? Ja, was schon, er vergleicht Langusten. Mit Langusten sind nicht etwa die Küstengewässer bewohnenden zehnfüßigen Krebstiere gemeint. Weit gefehlt! Es sind Wörter. Und zwar besonders lange Wörter mit „Innen“ bzw. „innen“ und Sternchen (Asterisk). Ein solches Wort ist z.B. Oberbürger*innenmeister*innen mit immerhin 29 Zeichen, ein noch längeres ist Oberbürger*innenmeister*innensekretär*innen (43 Zeichen). Deswegen also „Lang“-ustik.

Und was genau ist Linguistupistik? Das kann man nicht so einfach erklären, man braucht dazu wohl ein Studium der Gendrogermastupistik. Dieses Wissensgebiet ist außerordentlich komplex. Eine Ahnung, worum es da geht, bekommt man vielleicht nach Lesen der nachfolgenden Textbeispiele.

Übrigens, das Gaga-Dudie erscheint im Genderologischen Institut, Frauendorf.

Genderdeutsch in der Praxis

Wir verwenden hier das Gendersternchen * (Asterisk) und schreiben daher z.B. statt Bürgerinnen und Bürger einfach nur Bürger*innen. Das Gendersternchen ist dabei synonym zum Gender-Unterstrich „_“ und zum Gender-Doppelpunkt „:“ zu verstehen. Im Prinzip kann man stattdessen auch ein beliebiges anderes genderkonformes Sonderzeichen setzen, sofern das nicht mit etwas anderem verwechselt werden kann und konsequent verwendet wird, z.B. („:“, „_“, „^“, „∞“, „⅔“, „≠“, „●“, „≈“, „√“, „♥“, „©“, „֍“, „۞“, „☼“ usw.). Nicht erlaubt sind die Zeichen „♂“ und „♀“, da sie einseitig den Bezug zu „männlich“ bzw. „weiblich“ herstellen.

Das Gender-Sonderzeichen steht für diejenigen Menschen, die sich selbst außerhalb des überkommenen Geschlechterdualismus einordnen.

Absolut synonym sind also:

  • Bürgerinnen und Bürger, und solche Menschen unseres Landes, die sich weder als Mann noch als Frau verstehen
  • Bürger*innen
  • Bürger_innen
  • Bürger:innen
  • Bürger^innen
  • Bürger√innen
  • Bürger֍innen
  • Bürger☼innen
  • Bürger♥innen

usw.

Ganz allgemein: Bürger<Sonderzeichen>innen

Wenn in einem Wort mehrere Gender-Sonderzeichen vorkommen, wie zum Beispiel bei Oberbürger*innenmeister*innen, dann müssen diese Zeichen alle gleich sein.

Nur eingeschränkt vergleichbar ist in diesem Zusammenhang das Binnen-„I“, weil damit die Berücksichtigung der nicht dualgeschlechtlichen Identitäten auf der Strecke bleibt.

BürgerInnen meint demnach nicht genau dasselbe wie Bürger*innen.

Übrigens, wie die Welt berichtet, sind in Deutschland mit Datenstand 30.09.2020 insgesamt 394 Menschen mit dem Geschlechtereintrag „divers“ im Personenstandsregister eingetragen.

Gender*Perfektion

Das Gender*Deutsche kennt verschiedene Perfektionsstufen bzw. Perfektionsgrade. In der Stufe 0 ist Gender*Deutsch nicht von Normaldeutsch, also Deutsch, zu unterscheiden. Die Perfektionsstufe bemisst sich nach der Anzahl der Sternchen (oder anderer genderkonformer Sonderzeichen) in einem Wort.

Ein Beispiel mag das verdeutlichen: Auf Deutsch nennt man den Bürgermeister einer größeren kreisfreien Stadt meist Oberbürgermeister. Die weibliche Form dafür ist Oberbürgermeisterin, im Plural Oberbürgermeisterinnen. Das ist zugleich die korrekte Form in Gendernormaldeutsch und im Gender*Deutschen der Perfektionsstufe 0. Beim Wechsel auf die Perfektionsstufe 1 wird daraus im Singular Oberbürgermeister*in, im Plural Oberbürgermeister*innen. Erst ab der Stufe 1 wird Gender*Deutsch als solches wirklich sichtbar.

Gehen wir zur Stufe 2: Wir sprechen nun von Oberbürger*innenmeister*innen. Da es um die Bürgerinnen und Bürger, also um Bürger*innen geht, ist die Beschränkung auf „Bürger“ unter Gendergesichtspunkten absolut unangemessen. Daher erscheint der zweite Genderstern als geradezu zwingend geboten. Das kann und muss man natürlich fortspinnen, wie z.B. betreffend den bereits oben erwähnten Oberbürger*innenmeister*innensekretär*innen (Gender*Perfektionsstufe 3) und ihren Helfer*innen, also den Oberbürger*innenmeister*innensekretär*innenhelfer*innen (Gender*Perfektionsstufe 4).

Im Grundsatz ist dergestalt dem Perfektionsgrad keine Grenze gesetzt.

In der Gendrogermastupistik ist die Frage nicht abschließend geklärt, inwiefern in dieser Perfektionskaskade „Ober“ durch „Oberin“ bzw. „Ober*in“ ersetzt werden soll oder gar muss. Tatsächlich steht „Ober“ fraglos lediglich für die maskuline Form der im übertragenen Sinne zu verstehenden Umschreibung von „etwas ist über etwas anderem befindlich“. Die dazu passende feminine Form ist “Oberin“.

Diese Ableitung ist zur Bezeichnung der Vorstehenden einer Gemeinschaft von Nonnen absolut gebräuchlich. Es wäre daher nur konsequent, diese Form auch auf zusammengesetzte Wörter in Gendernormaldeutsch und Gender*Deutsch zu verwenden. Damit sprechen wird dann mit wachsendem Gender*Perfektionsgrad von Oberbürgermeisterinnen, Oberbürgermeister*innen, Oberbürger*innenmeister*innen bzw. Ober*inbürger*innenmeister*innen (Gender*Perfektionsstufe 0 – 3).

Das obige Beispiel im Perfektionsgrad 4 wird damit zu Ober*inbürger*innenmeister*innensekretär*innenhelfer*innen (Gender*Perfektionsstufe 5). Wie gesagt, die gendrogermastupistische Diskussion hierzu hält an.

Der Perfektionsgrad eines Gendertextes bemisst sich nach der höchsten vorkommenden Gender*Perfektionsstufe von Wörtern innerhalb des Textes. Demnach hat z.B. der vorstehende Absatz den Gender*Perfektionsgrad 5, der zweite Absatz dieses Abschnitts dagegen nur 1, und der nächste Absatz 0.

Genderstottern

Beim Sprechen ist das Gender-Sonderzeichen durch eine kleine Sprechpause (den sogenannten Glottischlag) zu hören. Bei weniger geübten Sprechern klingt das wie ein zögerliches Stolpern oder leichtes Stottern. Mit etwas Übung werden die Sprechpausen flüssiger artikuliert und werden zugleich deutlicher hörbar. Mit fortschreitender Könnerschaft und je nach Text entsteht so nach und nach ein von winzigen Stolperstellen gehemmter fluktuierender Redefluss. Das sich herausbildende charakteristische unrhythmische Klangbild wird als Genderstottern bezeichnet (Hörprobe im Video).

So „schön“ ist die Gendersprache

Betrachten wir einige Beispiele für die Gendersprache, also Gender(x)Deutsch, in den verschiedenen Varianten im Vergleich mit (richtigem) Deutsch. Weiter unten finden sich konkrete Beispiele aus dem Wahlprogramm der Grünen und ein Auszug aus den Richtlinien für Studenten der Uni Bielefeld.

Beim Arzt

Deutsch: „zum Arzt gehen“.

Gendernormaldeutsch: „zum Arzt oder zur Ärztin gehen“.

Gender*Deutsch: „zu Ärzt*innen gehen“ oder „zum*zur A*Ärzt*in gehen“.

Genderneutraldeutsch: „zu einer gesundheitsfachkundigen Person mit Approbation gehen“, „eine medizinisch fachkundige Person mit Approbation konsultieren“.


Deutsch: „Fragen Sie Ihren Hausarzt und lassen Sie sich ggf. zu einem Internisten überweisen“.

Gendernormaldeutsch: „Fragen Sie Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin und lassen Sie sich ggf. zu einem Internisten oder einer Internistin überweisen“.

Gender*Deutsch: „Fragen Sie Ihre*n Hausa*ärzt*in und lassen Sie sich ggf. zu ein*em*er Internist*en*in überweisen“.

Genderneutraldeutsch: „Fragen Sie Ihre regelmäßig konsultierte medizinisch fachkundige Person mit Approbation und lassen Sie sich ggf. zu einer auf innere Medizin spezialisierten fachkundigen Person mit Approbation überweisen“. Oder: „Fragen Sie Ihre regelmäßig konsultierte medizinberufausübende Person mit Approbation und lassen Sie sich ggf. zu einer auf innere Medizin spezialisierte medizinberufausübende Person mit Approbation überweisen“.


Deutsch: „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“.

Gendernormaldeutsch: „Fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin oder Ihren Apotheker oder Ihre Apothekerin“.

Gender*Deutsch: „Fragen Sie Ihre*n A*Ärzt*in oder Ihre*n Apotheker*in“.

Genderneutraldeutsch: „Fragen Sie Ihre regelmäßig konsultierte medizinisch fachkundige Person mit Approbation oder Ihre regelmäßig konsultierte pharmazeutisch fachkundige Person mit Zulassung“. Oder: „Fragen Sie Ihre regelmäßig konsultierte medizinberufausübende Person mit Approbation oder Ihre regelmäßig konsultierte pharmazieberufausübende Person mit Zulassung“.


Deutsch: „Fragen Sie einen Arzt oder Apotheker“.

Gendernormaldeutsch: „Fragen Sie einen Arzt oder eine Ärztin oder einen Apotheker oder eine Apothekerin“.

Gender*Deutsch: „Fragen Sie eine*n A*Ärzt*in oder eine*n Apotheker*in“.

Genderneutraldeutsch: „Fragen Sie eine medizinisch fachkundige Person mit Approbation oder eine pharmazeutisch fachkundige Person mit Zulassung“. Oder: „Fragen Sie eine medizinberufausübende Person mit Approbation oder eine pharmazieberufausübende Person mit Zulassung“.

Auf Kreuzfahrt

Deutsch: „Achtung! Feuer an Bord. Alle Passagiere bitte sofort aufs Oberdeck“.

Gendernormaldeutsch: „Achtung! Feuer an Bord. Alle Passagierinnen und Passagiere bitte sofort aufs Oberdeck“.

Gender*Deutsch: „Achtung! Feuer an Bord. Alle Passagier*innen bitte sofort aufs Oberdeck“.

Genderneutraldeutsch: “Achtung! Feuer an Bord. Alle Passagenden (neu für Personen, die sich gegen Zahlung eines Fahrpreises an Bord aufhalten) bitte sofort aufs Oberdeck“. Auch: “Achtung! Feuer an Bord. Alle an der Passage Teilnehmenden bitte sofort aufs Oberdeck“. Oder so: „Achtung! Feuer an Bord. Alle sich an Bord Befindlichen – mit Ausnahme der Besatzung –  bitte sofort aufs Oberdeck“.


Deutsch: „Ist ein Arzt an Bord?“.

Gendernormaldeutsch: „Ist ein Arzt oder eine Ärztin an Bord?“.

Gender*Deutsch: „Sind Ärzt*innen an Bord?“ oder „ist ein*e A*Ärzt*in an Bord“.

Genderneutraldeutsch: „Ist eine medizinisch fachkundige Person mit Approbation an Bord?“.

Wohnen

Deutsch: „Drei der Wohnungen werden von Eigentümern bewohnt, der Rest von Mietern“.

Gendernormaldeutsch: „Drei der Wohnungen werden von Eigentümerinnen und Eigentümern bewohnt, der Rest von Mieterinnen und Mietern“.

Gender*Deutsch: „Drei der Wohnungen werden von Eigentümer*innen bewohnt, der Rest von Mieter*innen“.

Genderneutraldeutsch: „Drei der Wohnungen werden von Eigentümenden bewohnt, der Rest von Mietenden“. Oder: „Drei der Wohnungen werden von Eigentumbesitzenden bewohnt, der Rest von Mietenden“. Anm: Eigentümende, m/f – (allgem.) Personen, die Eigentum besitzen; (konkret) Personen, die in einem Haus oder einer Wohnung wohnen, das oder die ihr Eigentum ist.

Arbeiten

Deutsch: „Mehr als die Hälfte der Lkw-Fahrer sind Pendler“.

Gendernormaldeutsch: „Mehr als die Hälfte der Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer sind Pendlerinnen und Pendler“.

Gender*Deutsch: „Mehr als die Hälfte der Lkw-Fahrer*innen sind Pendler*innen“.

Genderneutraldeutsch: „Mehr als die Hälfte der Lkw-Fahrenden sind Pendelnde“ oder „Mehr als die Hälfte der Personen mit der amtlichen Erlaubnis zum Bewegen eines Lastkraftwagens im öffentlichen Straßenverkehr, die das in der Regel auch täglich tun, sind zugleich Leute, die aus diesem Grunde zu ihrer Arbeitsstelle pendeln“.

Vor Gericht

Deutsch: „Danach wurden die Zeugen aufgerufen“.

Gendernormaldeutsch: „Danach wurden die Zeuginnen und Zeugen aufgerufen“.

Gender*Deutsch: „Danach wurden die Zeug*innen aufgerufen“.

Genderneutraldeutsch: „Danach wurden die Zeugenden aufgerufen“ (sic!) oder „Danach wurden die potentiell sachdienliche Hinweise zum Tathergang Gebenden aufgerufen“. Oder: „Danach wurden die Tathergangskundigen aufgerufen“.


Deutsch: „Vor Gericht erging der Richterspruch nacheinander gegen Betrüger, Vergewaltiger, Diebe, Einbrecher, Steinewerfer, Hochstapler, Heiratsschwindler sowie andere Verbrecher“.

Gendernormaldeutsch: „Vor Gericht erging der Richterinnen- und Richterspruch nacheinander gegen Betrügerinnen und Betrüger, Vergewaltigerinnen und Vergewaltiger, Diebinnen und Diebe, Einbrecherinnen und Einbrecher, Steinewerferinnen und Steinewerfer, Hochstaplerinnen und Hochstapler, Heiratsschwindlerinnen und Heiratsschwindler sowie andere Verbrecherinnen und Verbrecher“.

Gender*Deutsch: „Vor Gericht erging der Richter*innenspruch nacheinander gegen Betrüger*innen, Vergewaltiger*innen, Dieb*innen, Einbrecher*innen, Steinewerfer*innen, Hochstapler*innen, Heiratsschwindler*innen sowie andere Verbrecher*innen“.

Genderneutraldeutsch: „Vor Gericht erging der Richtendenspruch nacheinander gegen Betrügende, Vergewaltigende, Diebende (also Diebischseiende, Klauende bzw. geklaut Habende), Einbrechende, Steinewerfende, Hochstapelnde, Heiratsschwindelnde sowie andere Verbrechende (also Verbrecherischseiende, Verbrechenausübende bzw. Verbrechen ausgeübt Habende)“.

Politik

Deutsch: „An der Runde im Kanzleramt nahmen auch die Minister sowie alle Ministerpräsidenten teil“.

Gendernormaldeutsch: „An der Runde im Kanzleramt nahmen auch die Ministerinnen und Minister sowie alle Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten teil“. Oder so: „An der Runde im Kanzlerinamt nahmen auch die Ministerinnen und Minister sowie alle Ministerinnen- und Ministerpräsidentinnen und die Ministerinnen- und Ministerpräsidenten teil“.

Gender*Deutsch: „An der Runde im Kanzler*inamt nahmen auch die Minister*innen sowie alle Minister*innenpräsident*innen teil“.

Genderneutraldeutsch: „An der Runde in der Bundesregierungskanzlei nahmen auch die Fachdepartementvorstehenden sowie alle Landesregierungsvorstehenden teil“.

Deutsch: „Die Wähler sind gefragt“.

Gendernormaldeutsch: „Die Wählerinnen und Wähler sind gefragt“.

Gender*Deutsch: „Die Wähler*innen sind gefragt“.

Genderneutraldeutsch: „Die Wählenden sind gefragt“.


Deutsch: „Die Baden-Württemberger haben gewählt“.

Gendernormaldeutsch: „Die Baden-Württembergerinnen und Baden-Württemberger haben gewählt“.

Gender*Deutsch: „Die Baden-Württemberger*innen haben gewählt“.

Genderneutraldeutsch: „Die Baden-Württemberg Bewohnenden haben gewählt“.

Gesellschaft

Deutsch: „Auf dem deutschen Städtetag trafen sich die Oberbürgermeister mit Vertretern kleinerer Kommunen, die als Gäste geladen waren“.

Gendernormaldeutsch: „Auf dem deutschen Städtetag trafen sich die Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister mit Vertreterinnen und Vertretern kleinerer Kommunen, die als Gästinnen und Gäste geladen waren“

Gendernormaldeutsch: „Auf dem deutschen Städtetag trafen sich die Oberbürgerinnenmeisterinnen und Oberbürgerinnenmeister mit Vertreterinnen und Vertretern kleinerer Kommunen, die als Gästinnen und Gäste geladen waren“.

Gender*Deutsch: „Auf dem deutschen Städtetag trafen sich die Oberbürger*innenmeister*innen mit Vertreter*innen kleinerer Kommunen, die als Gäst*innen geladen waren“.

Genderneutraldeutsch: „Auf dem deutschen Städtetag trafen sich die Stadtratsvorsitzführenden mit Vertretenden kleinerer Kommunen, die als unverbindlich Besuchende geladen waren“ Oder so: „Auf dem deutschen Städtetag trafen sich die den Stadtratsvorsitzausübenden mit Vertretenden kleinerer Kommunen, die als unverbindlich Besuchende geladen waren“ (weil im Beispiel davor das grundsätzlich problematische Verb „führen“ vorkommt, das sich unschwer mit „Führer“ in Verbindung bringen lässt und damit den an die versammelten Oberbürgermeister gerichteten Nazivorwurf geradezu provoziert).


Deutsch: „An der Diskussion nahmen Studenten, Ärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater, Lehrer, Wissenschaftler sowie Politiker teil, aber auch Schüler sowie Vertreter der Elternverbände waren anwesend“.

Gendernormaldeutsch: „An der Diskussion nahmen Studentinnen und Studenten, Ärztinnen und Ärzte, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, Steuerberaterinnen und Steuerberater, Lehrerinnen und Lehrer, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Politikerinnen und Politiker teil, aber auch Schülerinnen und Schüler sowie Vertreterinnen und Vertreter der Elternverbände waren anwesend“.

Gender*Deutsch: „An der Diskussion nahmen Student*innen, Ärzt*innen, Rechtsanwält*innen, Steuerberater*innen, Lehrer*innen, Wissenschaftler*innen sowie Politiker*innen teil, aber auch Schüler*innen sowie Vertreter*innen der Elternverbände waren anwesend“.

Genderneutraldeutsch: „An der Diskussion nahmen Studierende, Gesundheitsfachkundige mit Approbation, Rechtsvertretungsberufausübende mit Zulassung, Steuerberatende mit Zulassung, Lehrende, Wissenschaffende sowie Politikbetreibende teil, aber auch Schulbesuchende sowie Vertretende der Elternverbände waren anwesend“.

Verkehr

Deutsch: „Bei Vorfahrtsverstößen mit Blechschäden sind die Unfallverursacher mehrheitlich weiblich“.

Gendernormaldeutsch: „Bei Vorfahrtsverstößen mit Blechschäden sind die Unfallverursacher und Unfallverursacherinnen mehrheitlich weiblich“.

Gender*Deutsch: „Bei Vorfahrtsverstößen mit Blechschäden sind die Unfallverursacher*innen mehrheitlich weiblich“.

Genderneutraldeutsch: „Bei Vorfahrtsverstößen mit Blechschäden sind die Unfallverursachenden mehrheitlich weiblich“.


Deutsch: „47% aller Führerscheininhaber sind weiblich“.

Gendernormaldeutsch: „47% aller Führerscheininhaber und Führerscheininhaberinnen sind weiblich“.

Gender*Deutsch: „47% aller Führerscheininhaber*innen sind weiblich“. Oder so: „47% aller Führer*innenscheininhaber*innen sind weiblich“. Besser: „47% aller Fahrerlaubnisinhaber*innen sind weiblich“.

Genderneutraldeutsch: „47% aller Führendenscheininhabenden sind weiblich“ „47% aller Fahrerlaubnisinhabenden sind weiblich“.


Deutsch: „Bei etwa 60% aller Unfälle mit Beteiligung von Autofahrern und Radfahrern sind die Kfz-Lenker die Verursacher“.

Gendernormaldeutsch: „Bei etwa 60% aller Unfälle mit Beteiligung von Autofahrerinnen und Autofahrern und Radfahrerinnen und Radfahrern sind die Kfz-Lenkerinnen und Kfz-Lenker die Verursacherinnen und Verursacher“.

Gender*Deutsch: „Bei etwa 60% aller Unfälle mit Beteiligung von Autofahrer*innen und Radfahrer*innen sind die Kfz-Lenker*innen die Verursacher*innen“.

Genderneutraldeutsch: „Bei etwa 60% aller Unfälle mit Beteiligung von Autofahrenden und Radfahrenden sind die Kfz-Lenkenden die Verursachenden“.

Sonstiges

Deutsch: „Auf der Wiese haben die Maulwürfe zahlreiche Löcher gegraben. Daher die vielen Maulwurfshügel“.

Gendernormaldeutsch: „Auf der Wiese haben die Maulwürfe und Maulwürfinnen zahlreiche Löcher gegraben. Daher die vielen Maulwurfs- und Maulwürfinnenhügel“.

Gender*Deutsch: „Auf der Wiese haben die Maulwürf*innen zahlreiche Löcher gegraben. Daher die vielen Maulwürf*innenhügel“.

Genderneutraldeutsch: „Auf der Wiese haben die Maulwürfenden zahlreiche Löcher gegraben. Daher die vielen Maulwürfendenhügel“.


Deutsch: „Helfer für den Deichbau gesucht. Jeder, der helfen will, ist willkommen“.

Gendernormaldeutsch: „Helfer und Helferinnen für den Deichbau gesucht. Jede und jeder, die oder der helfen will, ist willkommen“.

Gender*Deutsch: „Helfer*innen für den Deichbau gesucht. Jede*r, die*der helfen will, ist willkommen“.

Genderneutraldeutsch: „Helfende für den Deichbau gesucht. Jede Person, die helfen will, ist willkommen“.


Deutsch: „In der Ferne sah man einen Spaziergänger“.

Gendernormaldeutsch: „In der Ferne sah man einen Spaziergänger oder eine Spaziergängerin“.

Gender*Deutsch: „In der Ferne sah man eine*n Spaziergänger*in“.

Genderneutraldeutsch: „In der Ferne sah man (eine) Spazierengehende“ oder „In der Ferne man sah eine spazierengehende Person unbestimmten biologischen Geschlechts“.


Deutsch: „Ich gehe zum Bäcker“.

Gendernormaldeutsch: „Ich gehe zum Bäcker oder zur Bäckerin“.

Gender*Deutsch: „Ich gehe zum Bäcker oder zum*zur Bäcker*in“.

Genderneutraldeutsch: „Ich gehe zum oder zur Backenden“ oder „Ich gehe zu Backenden unbestimmten biologischen Geschlechts“.


Deutsch: „Die Arbeiter schliefen“.

Gendernormaldeutsch: „Die Arbeiterinnen und Arbeiter schliefen“.

Gender*Deutsch: „Die Arbeiter*innen schliefen“.

Genderneutraldeutsch: „Die Arbeitenden schliefen“.


Deutsch: „Die Mitarbeiter weigerten sich, am Projekt mitzuarbeiten“.

Gendernormaldeutsch: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weigerten sich, am Projekt mitzuarbeiten“.

Gender*Deutsch: „Die Mitarbeiter*innen weigerten sich, am Projekt mitzuarbeiten“.

Genderneutraldeutsch: „Die Mitarbeitenden weigerten sich, am Projekt mitzuarbeiten“.


Deutsch: „Die Leser hielten die Augen geschlossen“.

Gendernormaldeutsch: „Die Leserinnen und Leser hielten die Augen geschlossen“.

Gender*Deutsch: „Die Leser*innen hielten die Augen geschlossen“.

Genderneutraldeutsch: „Die Lesenden hielten die Augen geschlossen“.


Deutsch: „Die Dachdecker spielten Fußball“.

Gendernormaldeutsch: Die Dachdeckerinnen und Dachdecker spielten Fußball“.

Gender*Deutsch: „Die Dachdecker*innen spielten Fußball“.

Genderneutraldeutsch: „Die Dachdeckenden spielten Fußball“.


Deutsch: „Doch die Sänger sangen nicht“.

Gendernormaldeutsch: Doch die Sängerinnen und Sänger sangen nicht“.

Gender*Deutsch: „Doch die Sänger*innen sangen nicht“.

Genderneutraldeutsch: „Doch die Singenden sangen nicht“.


Deutsch: „Ober, die Rechnung bitte“.

Gendernormaldeutsch: „Ober / Oberin, die Rechnung bitte“.

Gender*Deutsch: „Herr*Frau Ober*in, die Rechnung bitte“ oder „Ober*in, die Rechnung bitte“.

Genderneutraldeutsch: „Bedienende, die Rechnung bitte“, „Kellnernde, die Rechnung bitte“ oder „Kassierende, die Rechnung bitte“.


Deutsch: „Am Ende gibt es nur noch Verlierer“.

Gendernormaldeutsch: „Am Ende gibt es nur noch Verliererinnen und Verlierer“.

Gender*Deutsch: „Am Ende gibt es nur noch Verlierer*innen“.

Genderneutraldeutsch: „Am Ende gibt es nur noch Verlierende“ oder „Am Ende gibt es nur noch verloren haben Werdende“, „Am Ende gibt es nur noch verloren Seiende“. Die explizite Fassung geht natürlich immer: „Am Ende gibt es nur noch verloren haben Werdende über deren biologisches Geschlecht man nichts Genaues weiß, wobei dies im Allgemeinen ohnehin nicht von Belang ist“.

Konkrete Beispiele aus der gelebten Praxis

Uni Bielefeld

Link: https://www.uni-bielefeld.de/verwaltung/refkom/gendern/richtlinien/

  • Im Kulturangebot ist für jede*n etwas dabei.
  • An dem Forschungsprojekt sind dreißig Mitarbeiter*innen beteiligt.
  • Der*die Lehrer*in schreibt den Notendurchschnitt an die Tafel.
  • Melden Sie sich mit Ihrem Nutzer*innenkennwort an.
  • In der Checkliste findet ein*e Studierende*r, was er*sie in den ersten Wochen erledigen muss.
  • Wer sein*ihr Tablet verloren hat, kann es beim Hausmeister*innenservice abholen.
  • Die Absolvent*innenbefragung wird in Kürze ausgewertet.
  • Wirtschaftswissenschaftler*innen untersuchen Konsument*innenverhalten.
  • Eingeladen sind langjährige Partner*innen aus aller Welt.
  • Hier tauschen sich alle Rektor*innen aus.
Aus dem Wahlprogramm 2021 der Grünen

Das Gendersternchen kommt in der Programmvorlage für den Bundesparteitag der Grünen vom 11. bis 13. Juni 2021 rekordverdächtige 509-mal vor.

Das Wahlprogramm trägt den Titel:

Deutschland. Alles ist drin.
Bundestagswahlprogramm 2021
.

Im Untertitel heißt es, „Bereit, weil Ihr es seid.“ – Wahlweise ist das eine reichlich veraltete Form der Anrede („Ihrzen“) oder schlichtweg ein dicker Rechtschreibfehler auf der Frontseite. Vielleicht wollte man auch dem Binnen-I in Gestalt eines Linksaußen-I zu einem letzten Auftritt verhelfen.

Link: Vorlaeufiges-Wahlprogramm_GRUENE-Bundestagswahl-2021.pdf

Hier nur einige Beispiele:

  • Menschenrechtsverteidiger*innen sind Held*innen
  • Zudem wollen wir eine*n weisungsunabhängige*n und finanziell gut ausgestattete*n Antirassismusbeauftragte*n einsetzen.
  • Akteur*innen
  • Anwohner*innen
  • Athlet*innenvertretung
  • Bezieher*innen
  • Bürger*innenbegehren
  • Bürger*innenbeteiligung
  • bürger*innennahe Polizei
  • bürger*innennäher
  • Bürger*innenräte
  • Bürger*innenrechte
  • Bürgerrechtler*innen (Anm.: ein offensichtlicher Fehlgriff; selbstverständlich muss es Bürger*innenrechtler*innen heißen)
  • Demokratiefeind*innen
  • Ehrenamtler*innen
  • Einwander*innen
  • Empfänger*innen
  • Entscheidungsträger*innen
  • Frauenrechtler*innen
  • Friedensaktivist*innen
  • Gefährder*innen
  • Geringverdiener*innen
  • Imam*innen (Anm.: also weibliche Imame inkludierend!!!)
  • Impulsgeber*innen
  • Inter*-Menschen
  • Junglandwirt*innen
  • Lehrer*innenausbildung
  • Leistungssportler*innen
  • Lkw-Fahrer*innen
  • Mieter*innenschutz
  • Muslim*innenfeindlichkeit
  • Neueinsteiger*innen
  • Nutzer*innenbeschwerden
  • nutzer*innengeneriert
  • Nutzer*innenrechte
  • Pendler*innen
  • Rechtsextremist*innen
  • Rom*nja
  • Sinti*zze
  • Sonderberichterstatter*innen
  • Sportfunktionär*innen
  • Städter*innen
  • Umweltbewegte (Anm.: auch „schön“!)
  • Zuverdiener*innen

Ein Gedanke zu „Das Dudie – Kleines Wörterbuch des Genderdeutschen“

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