Wer war Jean-Jacques Rousseau?
Jean-Jacques Rousseau war ein Genfer Schriftsteller, Philosoph, Pädagoge, Naturforscher und Komponist. Seine politische Philosophie beeinflusste den Fortschritt der Aufklärung in ganz Europa. Rousseau hatte großen Einfluss auf die Pädagogik und die politische Theorie des späten 18. sowie des 19. und 20. Jahrhundert (Wikipedia).
Rousseau kennt man noch von der Schule. Er ist der Gute, der den Menschen als Gemeinschaftswesen versteht und ihn als Teil der Natur begreift. Zivilisatorische Errungenschaften gelten ihm wenig. Die heute vielfach anzutreffende Zivilisationskritik hat er vorweggenommen.
Hat man Rousseau richtig verstanden?
Um ehrlich zu sein, bin ich früher Jean-Jacques Rousseau ebenfalls auf den Leim gegangen. Zu meiner Entschuldigung kann ich anführen, dass namhaften Geistesgrößen (um nur einmal Kant und Hegel zu nennen) dasselbe passiert ist. Rousseau ist einer der übelsten Denker der Neuzeit. Seine Ideen sind deshalb besonders gefährlich, weil sie auf den ersten Blick so harmlos klingen und scheinbar nur das Beste wollen.
Auf Rousseau trifft das Wort Blaise Pascals – das jener freilich schon 100 Jahre früher geschrieben hat – in voller Schärfe zu:
Niemals tut man so vollständig und so gut das Böse, als wenn man es mit gutem Gewissen tut.
Was hat Rousseau bewirkt?
Es geht eine gerade Linie von Rousseau über den blutgierigen Tugendterror der Französischen Revolution mit ihrem Henker Robespierre, zu den Theoretikern des Sozialismus und Kommunismus Marx und Lenin, über die kommunistischen Praktiker und Jahrtausend-Verbrecher Stalin und Mao, hin bis zu den Massenmorden der Roten Khmer unter Pol Pot.
Den Ausgangspunkt dieser Blutspur durch die Geschichte mit mehr als 100 Millionen Toten und zahllosen seelisch zugrunde gerichteten Menschen markiert Rousseau mit seinem Contrat Social. Rousseau hat den Absolutismus des Sonnenkönigs durch den Absolutismus des Kollektivs ersetzt. Beides ist Totalitarismus. Er hat das Kollektiv zu göttlichen Weihen erhoben und die Freiheit des Individuums mit Füßen getreten. Das Denken Rousseaus steht in einem denkbar schärfsten Kontrast zum Liberalismus und damit auch zum Humanismus.
Das Denken Rousseaus
Sein oftmals zitiertes „Zurück zur Natur“ könnte verkehrter nicht rezipiert worden sein, denn als „Zurück zu den Ursprüngen des Menschseins“. Menschsein heißt nicht, im Kollektiv aufzugehen – Menschen sind keine Ameisen. Menschsein bedeutet, als Individuum mit unveräußerlichen Freiheitsrechten in der Gemeinschaft freier Individuen zu wirken und zu gestalten. Menschen bilden die Gemeinschaft, sie bleiben aber Individuen, die sich im Rahmen freiheitlicher Gesetze auch gegen die Gemeinschaft stellen und ihre eigene Interessen vertreten dürfen, sofern die berechtigten Interessen anderer Individuen damit nicht eingeschränkt werden.
Bei Rousseau ist es umgekehrt. Ihm geht die Souveränität der Volksgemeinschaft über alles (in diesem Sinne darf man ihn auch als Vordenker der Nationalsozialisten verstehen). Was das Volk, die Gemeinschaft, das Kollektiv bestimmt, ist ihm absolutes Gesetz. Und dieses Gesetz macht nicht Halt vor Andersdenkenden. Deshalb auch der Tugendterror der Französischen Revolution und die Umerziehungslager der Kommunisten.
Was bewirkt Rousseau heute?
In dieser Tradition stehen die Grünen, und nicht nur sie, auch die Linke, die SPD und Teile der CDU. Sogar die EU insgesamt ist mittlerweile ein mehr oder weniger sozialistisches Projekt das sich für die Individual- und Freiheitsrechte der Bürger weniger engagiert als für ein am Ende von der Politik selbst definiertes imaginäres Gemeinwohl auf der Grundlage eines angeblichen volonté générale, des vermeintlichen Volkswillens.
Glücklicherweise sind die extrem gewalttätigen Auswüchse des Rousseau’schen Kollektivismus in Deutschland und der EU derzeit (noch) nicht befürchten. Die Vorstufe dazu, nämlich Indoktrination, Diffamierung Andersdenkender und Einschränkung von Freiheitsrechten erleben wir aber schon heute. Nur ein scheinbar harmloses Beispiel: Was ist die obsessive Verwendung der von der großen Mehrheit der Bürger unerwünschten Gendersprache im öffentlich-rechtlichen Rundfunk denn anderes als Indoktrination, als der Versuch der Umerziehung?
Rousseau und „unsere Demokratie“
Generell zeigt der öffentliche Diskurs in Deutschland eine fatale Tendenz zur Meinungsgleichförmigkeit. Unterschiedliche Positionen zu politischen und weltanschaulichen Fragen, die doch ein Kennzeichen demokratischer Freiheit und Vielfalt sind, von Liberalismus, werden kaum noch toleriert. Wer solche abweichende Meinungen vertritt, wird rasch ausgegrenzt und verunglimpft. Das genau spiegelt das Denken Rousseaus unverkennbar wider. Im Kollektiv gibt es letztlich nur eine „richtige“ Meinung. Abweichungen dazu stehen der Umsetzung des volonté générale entgegen und sind daher Störfaktoren, die zumindest mundtot gemacht werden müssen. Die gleichzeitig propagierte Diversität scheint dem zu widersprechen. Es ist aber tatsächlich nur Schein, denn die solchermaßen verstandene Diversität beschränkt sich auf Äußerlichkeiten. Im Denken selbst wird Uniformität erwartet.
Resümee
Diese kurze Skizze zeigt, dass die überwunden geglaubten, antiliberalen, konformistischen Denkweisen, wie man sie aus der DDR und anderen sozialistischen Staaten kannte unverschleiert wiederaufleben. Wohin das alles führt, hat die Geschichte gezeigt. Es beginnt scheinbar harmlos mit dem volonté générale, wird dann nach und nach zur Indoktrination, zur Meinungsbeeinflussung über die Medien, dann zu Verboten und zum Tugendterror mit seinen noch überschaubaren Auswüchsen, der vermeintlich doch nur Zwecken dient, die „gut gemeint“ sind. Am Ende steht dann die Umerziehung, wenn nicht Schlimmeres.
Die Grünen und die Linke stehen mit ihrem Programm und ihrem Auftreten am Klarsten in der Tradition des Kollektivisten Rousseau und verkörpern dessen totalitäre Ideologie.
Halten wir dagegen, so lange das noch ohne Gefahr für Leib und Leben möglich ist und wir noch dazu befähigt sind.